Lernen geht immer

Gestern hatte ich das große Glück, in einer Situation, in der ich überhaupt nicht damit gerechnet hätte, zwei außerordentliche Menschen kennenzulernen. Mit außergewöhnlichen Geschichten, Erfahrungen und Einsichten.

Ansprechen, fragen und zuhören waren der Schlüssel zu diesem Glück. Ich habe viel gelernt. Vielen Dank dafür.

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Vor allem Frieden

Gestern ein Nachbar. Ein freundlicher, stiller Mann. Wartete an der Kreuzung auf den Fahrdienst, der ihn zur Dialyse bringt. Wollte keinen Stuhl haben, weil das Auto ja gleich kommt. Herzliche Dankbarkeit für das Angebot.

Ein Gespräch. Über Fahrdienste, die spät oder manchmal gar nicht kommen. Über die Bäume, die gefällt wurden. Über die Zäune und Mauern, die wieder höher werden. Der Fahrdienst kam. Gute Wünsche zum Abschied. Zum Schluss sagte er:

„Und vor allem Frieden.“

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Freundlicher Eigensinn

Vor ein paar Wochen wartete ich an einer Fußgängerampel. Vor mir stand eine Person, die mit einer hellen Jacke bekleidet war. Auf dem Rücken waren in ordentlicher Schrift Zeile für Zeile Beleidigungen, Herabwürdigungen, Beschimpfungen und Drohungen aufgeschrieben. Es war für jeden etwas dabei.

Ein Wunder, dass die Jacke den Menschen nicht erstickt hat. Was hat den Menschen dazu bewogen, so zu handeln? Wollte er seine Verzweiflung, seinen Schmerz kundtun? Wollte er andere verletzen, erniedrigen? Aber, wer sucht sich schon selbst eine Beleidigung aus? Wer würde sich schon selbst solchen Schmerz zufügen?

Die Worte auf der Jacke waren mir fremd. Während des Lesens kam mir trotzdem etwas bekannt vor. Eine Stimme, die mir vertraut ist. Sie benutzt mir gegenüber andere Worte, aber die negative, destruktive Wirkung ist ähnlich. Es ist meine eigene.

Dieser Mensch hat aufgeschrieben, was in seinem Kopf los ist, was er anderen sagen will, vor allem aber, was er sich selbst sagt. Er hat damit nur sichtbar gemacht, was wir uns alle in irgendeiner Form selbst sagen. Die Beleidigungen, die wir uns selbst an den Kopf werfen. Den Schmerz, den wir uns selbst zufügen.

Diese Einsicht ist auf den ersten Blick wenig erfreulich. Auf den zweiten Blick ist sie eine wunderbarer Ausgangspunkt, sich genau dieses Verhalten mehr und mehr bewusst zu machen.

Zum einen, um zu lernen, das destruktive Verhalten Schritt für Schritt abzustellen und freundlicher mit uns selbst umzugehen. Zum anderen, um nicht andere Menschen oder Umstände für die negativen Gefühle, die wir selbst in uns hervorgerufen haben, verantwortlich zu machen.

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Der Tod ist immer nah

Jeder von uns kennt Geschichten von Menschen, die im Angesicht einer schweren Krankheit, des nahen Todes, des Verlustes mit einem Mal ganz deutlich erkennen, wie unglaublich kurz und wertvoll das Leben ist.

Denen in diesem Moment klar wird, was für sie wirklich wichtig ist und wie sie ihr Leben leben wollen. Die aufhören, ihre Lebenszeit mit Unwichtigem zu verschwenden.

Dabei steht jeder von uns im Angesicht des nahen Todes. Immer. Ob wir nun wollen oder nicht. Ob wir arm sind, reich, gesund oder krank.

Jeder Tag bringt uns unserem Tod näher.  Wir sehen es nur nicht ganz so deutlich oder wollen es nicht sehen. Und leben als wären wir unsterblich. Anstatt einfach aufzuhören, unsere Lebenszeit mit Unwichtigem zu verschwenden.

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Lichterteppiche

Gestern fuhren wir auf dem Weg nach Hause durch Polen. Gestern war Allerheiligen.

In Polen geht man zu Allerheiligen auf den Friedhof und schmückt die Gräber mit Blumen, Grablichtern und Kerzen.

In der Dunkelheit liegen die Friedhöfe wie große, stille Lichterteppiche in den Städten und Dörfern.

Es war ein märchenhafter Anblick.

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Hindernisse

Anknüpfend an den gestrigen Beitrag und an diesen hier fiel mir eine Geschichte von Jorge Bucay ein. Sie heißt „Hindernisse“ und ist in dem Buch „Geschichten zum Nachdenken“ zu finden.

Kurz zusammengefasst geht es um folgendes: Ein Mensch sieht eine Stadt am Horizont. Die Erfüllung all seiner Wünsche, Ziele, Träume, Hoffnungen liegt in dieser Stadt. Er macht sich auf den Weg die Stadt zu erreichen. Es wird anstrengend. Hindernisse tauchen auf. Manche scheinen unüberwindbar. Der Mensch spielt mit dem Gedanken aufzugeben. Er schöpft immer wieder neuen Mut und überwindet sie doch.

Als er der Stadt endlich ganz nahe ist, stellt er fest, dass sie von einer riesigen kaltfeuchten Mauer umgeben ist. Er ist am Boden zerstört. Richtet sich wieder auf und sucht nach einer Lösung.
In einem Moment des Innehaltens

… bemerkte ich auf einmal am Wegesrand einen Jungen, der mich ansieht, als würde er mich kennen.

Er lächelt mir komplizenhaft zu.

Und erinnert mich an das Kind, das ich war.

Vielleicht schimpfe ich deshalb laut los:

„Warum stellen sich mir all diese Hindernisse in den Weg?“

Der Junge zuckt mit den Schultern und antwortet:

„Was fragst Du mich? Bevor Du kamst, gab es hier keine …

Du selbst hast sie mitgebracht.““

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Dir gefällt nicht, was ich hier schreibe?

Oder Du verstehst nicht, was ich hier schreibe?

Das ist nicht weiter schlimm.

Das macht weder Dich noch mich zu einem schlechten oder besseren Menschen.

Das bedeutet auch nicht, dass einer von uns beiden zu doof, zu blöde, zu sonst was ist.

Es bedeutet nur eins.

Das was ich schreibe, ist nicht für Dich.

Das ist alles.

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Verantwortung übernehmen hilft

Ich war mit dem Rad unterwegs. Vor mir stauten sich die Autos. Dem ersten halb genervten Gedanken, was ist denn hier nun wieder los, schloss sich sofort der zweite an.  Mist, da liegt ja jemand auf der Straße. Eine Fahrradfahrerin.

Drei Menschen waren um sie herum im Einsatz. Sie war bereits in stabiler Seitenlage gelagert. Jacke unter dem Kopf. Einer behielt die Frau im Auge. Ein Mann telefonierte mit dem Rettungsdienst. Der Dritte regelte den Verkehr. Alles war ruhig. Alle verhielten sich diszipliniert. Kein Autofahrer hupte oder drängelte sich vorbei.

Vielleicht ging es den anderen Unbeteiligten so wie mir. Ich hatte das Gefühl, die drei Helfer hatten die Lage souverän unter Kontrolle. … Und ich war froh, dass ich nicht dort lag.

Für die Autofahrer gab es nichts zu tun als zu warten. Für mich gab es nichts zu tun als weiterzugehen.

Ich hoffe, die Radfahrerin ist nicht schwer verletzt und auf dem Weg der Besserung. Ich danke unbekannterweise den unbekannten Helfern. Sie haben mehr getan als nur einem verletzten Menschen beizustehen.

Sie haben ein gutes Beispiel gegeben.

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Fokus, Fokus, Fokus

Auch zu viele Pferde am Start? Dann ist dieser Beitrag vielleicht etwas für Dich.

Auf dem Blog „Live your Legend“ bin ich auf folgende Geschichte gestoßen, die illustrieren soll, wie Warren Buffett Prioritäten setzt. Da ich Warren Buffett nicht persönlich kenne, kann ich nicht einschätzen, ob die Geschichte stimmt. Es schadet aber nichts, die Methode auszuprobieren. Wenn sie nicht hilft, macht es nichts. Wenn sie hilft, umso besser.

Die Geschichte wurde von Scott Dinsmore aufgeschrieben, der jemanden kannte, der den Piloten von Warren Buffett kannte. Ich gebe sie jetzt mal frei übersetzt wieder.

Vor ein paar Jahren ging Warren Buffett zu seinem Piloten (wir nennen ihn Steve) und sagte im Scherz: „Der Umstand, dass Du immer noch für mich arbeitest, zeigt mir, dass ich meinen Job nicht ordentlich mache. Du solltest losziehen und mehr von Deinen Zielen und Träumen verfolgen.“ Dann bat Warren Steve, die wichtigsten 25 Dinge aufzulisten, die er in den nächsten Jahren oder in seiner Lebenszeit verwirklichen möchte.“

Nachdem Steve die Liste fertiggestellt hatte, bat Warren ihn, die Liste nochmal durchzusehen und nun aus diesen 25 Punkten, die 5 Ziele auszuwählen, die ihm am allerwichtigsten sind und diese einzukreisen. Die fünf, die er mehr als alle anderen erreichen wollte.

Steve zögerte, da für ihn alle Punkte auf der Liste sehr wichtig waren. Deswegen hatte er sie ja aufgeschrieben. Aber Warren bestand darauf, dass er nur fünf auswählen durfte. Also nahm sich Steve etwas Zeit und nach einiger Überlegung kreiste er fünf Ziele ein. Warren fragte: „Bist Du Dir absolut sicher, dass das die 5 allerwichtigsten Ziele sind.“ Steve bejahte das.

Warren fragte Steve nun, wann und wie er diese Top 5-Ziele umsetzen würde. Sie verbrachten die nächste Zeit einen Plan zu diskutieren. Steve erklärte: „Warren, das sind die 5 wichtigsten Ziele in meinem Leben zu diesem Zeitpunkt. Ich werde an ihnen gleich jetzt arbeiten. Ich werde morgen anfangen. Nein, ich fange heute Abend an.

Steve fuhr fort seinen Plan zu erläutern, wen er fragen würde, ihm zu helfen und bis wann alle Punkte erledigt sein würden. Warren war begeistert. Mit ein wenig Glück, wäre er in ein paar Wochen ohne Piloten …

Nun fragte Warren, „aber was ist jetzt mit den anderen 20 Zielen auf Deiner Liste, die Du nicht eingekreist hast? Wie ist Dein Plan, um diese umzusetzen? Steve antwortete selbstbewusst: Auf den Top 5 liegt mein Fokus, aber die anderen zwanzig kommen auf einen engen zweiten Platz. Sie sind mir so wichtig, dass ich sobald ich Raum sehe, bei der Erreichung meiner Top 5, anfange an den zwanzig anderen zu arbeiten. Sie sind nicht ganz so dringend, aber mir so wichtig, dass ich Zeit einplane, daran zu arbeiten.

Zu Steves Überraschung antwortete Warren streng:

„Nein. Das hast Du falsch verstanden, Steve. Alles, was Du nicht eingekreist hast, wurde eben zu Deiner „Vermeide-um-jeden-Preis-Liste“. Gleichgültig was passiert, diese Dinge bekommen keine Beachtung von Dir, bis Du Deine Top 5 erreicht hast.“

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Überraschung

Ich war gestern mit dem Fahrrad unterwegs. Als es bergan ging, habe ich einen anderen Radler überholt. Als es wieder bergab ging, holt er auf und fuhr eine Weile neben mir her. Ich bereitete mich innerlich darauf vor, dass mir gleich irgendein unfreundlicher Spruch um die Ohren gehauen wird.

Da rief er begeistert: „Ich hab‘ ganz neue Reifen drauf. Die haben nicht so ein grobes Profil. Laufen superleicht. Es rollt einfach so. Ganz leicht. Ein Traum.“ Strahlte und fuhr davon.

Ich freue mich immer noch über dieses kurze Zusammentreffen. Und wundere mich, dass ich nicht mal im Traum mit so einer Variante gerechnet habe. Oder mit irgendeiner positiven Äußerung.

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Ist Zuversicht eine Begabung?

Mit der man geboren wird? Die man hat oder nicht hat?

Ich glaube nicht.

Ich glaube, jeder kann lernen zuversichtlich zu sein. Das ist etwas, was man üben kann. Und Gründe zum Üben finden sich ausreichend im Leben.

Wie mit allem, was man lernen kann, bedarf es aber einer bewussten Entscheidung für die Zuversicht. Man kann nur lernen, zuversichtlich zu sein, wenn man sich dafür entscheidet, zuversichtlich sein zu wollen.

Und? Wie sieht es bei Dir aus? Welche Werkstatt wirst Du als nächstes bauen?

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