Gute Frage – Nr. 46

Wie wäre es, wenn Du Dir heute einen Liebesbrief schreibst? In dem alles gesagt wird, was Du immer hören wolltest oder vielleicht auch hören musst, was aber nie jemand sagt, weil einfach keiner darauf kommt, weil keiner sich traut, weil schon keiner mehr weiß, wie das geht oder warum auch immer.

Das klingt ziemlich seltsam, ich weiß. Das fühlt sich am Anfang auch total seltsam an. Ungewohnt. Und ein wenig irre. Aber führt man sich vor Augen, was man sich an negativen Kommentaren den lieben langen Tag um die Ohren haut, dann scheint mir der Liebesbrief, die weniger irre Variante.

Ja, man kann natürlich erwarten, dass irgendwann ein andere Mensch genau diese Briefe schreiben wird. Täglich. Oder häufiger, je nachdem, was gerade so anliegt. Möglicherweise wartet man darauf allerdings vergeblich. Und dann hat man sein Leben verwartet.

Es scheint mir viel zu wichtig, als das komplett auf andere Personen abzuwälzen. Man ist ja selbst der Mensch, mit dem man die meiste Zeit zu tun hat, besser also man hat eine gute Beziehung zu sich. Liebesbriefe an sich selbst zu schreiben, ist eine Form der Selbstfürsorge.

Schaue ich mich in der Welt um, kann ich nur feststellen, dass die aktuellen und vergangenen Konflikte, Genozide, Rassismus, Faschismus, … alle nicht durch ein Zuviel an Gelassenheit, Respekt, Freundlichkeit, Zuneigung, Freundschaft und Liebe entstanden sind.

Gelassenheit, Respekt, Freundlichkeit, Zuneigung, Freundschaft und Liebe im Umgang mit anderen setzt auch voraus, dass man sich all das auch selbst entgegenbringt. Man kann nicht geben, was man nicht hat. Und so ist diese Form der Selbstfürsorge auch immer ein Beitrag zur Fürsorge für alle anderen.

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