Weiße Zerbrechlichkeit

Die Unterhaltung, die mich zu dem Beitrag „Alle Leben zählen“ inspiriert hat, beinhaltete noch einen Punkt, der mich irritiert hat. Nämlich die Aussage, meine Ansicht sei eine weiße Sicht der Dinge.

Was auf den ersten Blick ulkig ist, denn ich bin weiß. Und das schon eine Weile. Es sollte mich also nicht so sehr überraschen.

Aber ich denke nie darüber nach, weiß zu sein. Oder was es bedeutet, weiß zu sein. Auch dass ist, vermute ich mal, schon ein Privileg. Der Weißen.

So und nun wurde ich also daran erinnert, dass ich weiß bin. Und habe mich sofort unwohl gefühlt. Als ob ich davon weniger weiß würde. Und jetzt kommt die eigentlich spannende Frage. Warum ist das so?

In diesem Zusammenhang bin ich auf ein Interview mit Robin DiAngelo mit der Überschrift White Fragility gestoßen. Da ich ja auch erst ganz am Anfang stehe, mich mit diesem Thema zu beschäftigen, gebe ich hier einfach eine paar Punkte aus dem Interview wieder.

Weiß bezieht sich übrigens nicht rein auf die Hautfarbe sondern auf die soziale Zugehörigkeit. Auf jemanden, der wegen seines Aussehens eher keine Rassismuserfahrungen macht.

  • Wir Weiße sind es nicht gewohnt mit unserem Rassismus konfrontiert zu werden. Also reagieren wir auf eine Art, die den rassistischen Status quo aufrechterhält.
  • Weiße sehen meist nur expliziten Rassismus.
  • Wir müssen lernen die weiße Überlegenheit, die wir alle internalisiert haben, zu reflektieren.
  • Wer als weiß gesehen und erzogen wird, hat eine bestimmte Art, die Welt zu sehen – und ihm oder ihr fehlt ein gewisses Bewusstsein für bestimmte Dinge.“
  • Weiße Linke und Liberale können oft selbstgefällig sein, weil wir denken, dass wir schon alles wissen über Rassismus, dass wir uns daher nicht rassistisch verhalten und nichts mehr lernen können. Deshalb sind wir nicht offen für Diskussion. Und weil unsere Identitäten so tief verbunden sind mit der Idee, progressiv und links zu sein, können wir noch ablehnender reagieren, wenn jemand suggeriert, dass wir uns rassistisch verhalten.“

So, es steht noch viel mehr in diesem Artikel. Aber das reicht erstmal für den Anfang. Genug Stoff um Nachzudenken. Was fühlst Du, wenn Du das liest?

Hat Dir der Artikel gefallen? 1