Nur Mut!

Straßenmusiker. Zuhörer. Ein altes Paar fängt an zu tanzen. Und macht es uns anderen leichter aufzustehen. Mitzutanzen. Einen magischen Moment von Verbundenheit zu schaffen.

Der Moment verstreicht. Wir anderen bleiben sitzen und schauen zu. Oder weg. Das Paar hört auf zu tanzen. Die Musiker spielen weiter.

Ein älterer Herr in Begleitung zweier Frauen kommt vorbei. Bleibt stehen. Greift die Melodie auf. Singt. Mit großartiger Stimme. Wird von den Frauen unterbrochen. Ja, ja, schon gut. Die Frauen mit entschuldigendem Lächeln an die Zuhörer. Er setzt wieder an. Wird weitergezogen. Ich höre ihn noch kurz vor sich hinsingen.

Ich bin mir sicher, dass die meisten Zuhörer „Hallelujah“ von Leonard Cohen kannten. Wenn nicht den Text, dann doch die Melodie. Wir hätten alle mitsingen können. Und einen magischen Moment schaffen können. Haben wir aber nicht. Wieder nicht. Wie schade.

Es wäre so einfach gewesen, aufzustehen und zu tanzen. Es wäre so einfach gewesen mitzusingen. Und für alle Beteiligten einen erstaunlichen Moment zu schaffen. In dem sich alles fügt. In dem unwichtig ist, was uns trennt. Sondern deutlich, was uns verbindet. Und keiner hat sich getraut. Auch ich nicht. Wie schade.

Vielleicht hätte auch dann niemand weiter mitgetanzt oder hätte mitgesungen, wenn ich aufgestanden wäre. Das wäre möglich. Vielleicht haben aber ein paar andere nur darauf gewartet, dass noch jemand anderes aufsteht, dass noch jemand anderes mittanzt und mitsingt. Und hätten sich dann getraut.

Es lag also auch an mir, dass an diesem Nachmittag nichts Außergewöhnliches, nichts Magisches entstanden ist. Keine sehr schöne Erkenntnis. Aber zum Glück kann ich es das nächste Mal anders machen. Dafür werde ich über meinen eigenen Schatten springen müssen. Das scheint mir trotzdem die bessere Alternative. Die lebendigere.

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