Nach Hause kommen

Ich kenne einen Garten. Er ist umgeben von einer Mauer aus rotem Ziegelstein. Zwei kleine Pforten führen hinein und hinaus. So wie man es gerade braucht. Mehr nicht. Kein Tor. Keine Einfahrt für ein Fahrzeug. Das Haus aus roten Ziegelsteinen.

Rosen stehen darin, Apfelbäume, ein Feigenbaum, ein Kakibaum und noch andere Pflanzen, die ich nicht kenne. Und eine Wiese gibt es. Früher gab es auch zwei Kater. Einen wilden und einen seltsamen.

Kam ich abends heim, war es im Garten schon kühl vom Gießen. Die Straße draußen noch heiß und staubig vom Tag. Drinnen feuchtes Gras. Der Duft der Rosen über allem. Das Haus in der Dunkelheit nicht zu sehen. Nur die Fenster erleuchtet.

Die Tür zu Nanas Küche zum Garten hin offen. Sie kocht und klappert herum. Manchmal sitzt sie mit einer Nachbarin im Garten und schwatzt. Manchmal holt der seltsame Kater mich von der Pforte ab.

Seltsam deshalb, weil er sich mal wie ein Hund benimmt, dann wieder stundenlang zur Statue erstarrt und nicht mal zuckt, wenn ich ihn anstupse, um zu schauen, ob er noch lebt. Den Rest der Zeit macht er einen eher ratlosen Eindruck.

Die Kater gibt es schon lange nicht mehr. Die Menschen? Den Garten? Das Haus? Ich weiß es nicht. Zu viele Jahre, zu viele Länder liegen dazwischen. Aber die Erinnerung daran, wie es sich anfühlt nach Hause zu kommen, wird mich bis zum Ende meines Lebens begleiten.

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