Nach dem Sinn des Lebens fragen

Viktor E. Frankl war ein österreichischer Psychiater. 1946 verfasste er ein bemerkenswertes Buch „… trotzdem Ja zum Leben – Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“. Von seiner Familie überlebte neben ihm nur seine Schwester, die nach Australien ausgewandert war. Seine Frau, seine Eltern und der Bruder mit seiner Frau wurden in Konzentrationslagern umgebracht.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens sowie die Bedeutung des Lebenssinns für die Überlebensfähigkeit jedes Einzelnen spielt eine große Rolle in diesem Buch. Frankl schreibt dazu:

„Was hier not tut, ist eine Wendung in der ganzen Fragestellung nach dem Sinn des Lebens: Wir müssen lernen und die verzweifelten Menschen lehren, dass es eigentlich nie und nimmer darauf ankommt, was wir vom Leben noch zu erwarten haben, vielmehr lediglich darauf: was das Leben von uns erwartet! Zünftig philosophisch gesprochen könnte man sagen, dass es hier also um eine Art kopernikanische Wende geht, so zwar, dass wir nicht mehr einfach nach dem Sinn des Lebens fragen, sondern dass wir uns selbst als die Befragten erleben, als diejenigen, an die das Leben täglich und stündlich Fragen stellt – Fragen, die wir zu beantworten haben, indem wir nicht durch Grübeln oder Reden, sondern nur durch ein Handeln, ein richtiges Verhalten, die rechte Antwort geben.“

Es scheint mir, dass dieser Perspektivwechsel nicht nur für das Überleben in einem Konzentrationslager wichtig ist. Wie oft haben wir uns schon darauf zurückgezogen, vom Leben etwas zu erwarten? Und sind dann in Verzweiflung gestürzt, wenn unsere Erwartungen sich nicht erfüllt haben. Wie oft haben wir die Fragen, die das Leben an uns stellt, schon überhört oder wenn wir sie denn gehört haben, nicht beantwortet?

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