Fehlkommunikation

Das Fahrrad des Kindes hatte einen Platten. Also schoben wir die Räder nach Hause. Auf dem Heimweg mussten wir von der Straße in einen Verbindungsweg abseits der Straße einbiegen. Dabei kreuzten wir den Weg einer Fahrradfahrerin, die uns entgegenkam. Sie musste abbremsen und fauchte mich an, ich solle doch mitdenken.

Ich war ehrlich überrascht und fragte etwas unbedacht, warum? Da wurde die Frau richtig sauer. Dabei hatte ich die Frage gar nicht bös gemeint. Ich hatte nur das Problem noch nicht verstanden. Also gut, wir waren ihr in ihren Weg gelaufen.

Beim Einbiegen in den Weg hatte ich gesehen, dass die Frau gerade auf ihr Fahrrad gestiegen und angefahren war. Ich hatte die Situation so eingeschätzt, dass wir den Weg kreuzen können, da sie noch weit genug weg ist. Es war auch Platz genug da, dass sie an uns hätte vorbeifahren können, wenn wir quer mit den Rädern auf dem Weg stehen geblieben wären, was wir aber nicht getan haben. Aus meiner Sicht gab es kein Problem.

Ich hatte mir also schon etwas gedacht, nur eben nicht das, was sich die Frau gedacht hat bzw. was ich wohl ihrer Ansicht nach hätte denken sollen. Und die Frau hat die Situation anders eingeschätzt, als ich sie eingeschätzt habe. Dazu kommt interessanterweise auch noch, dass wahrscheinlich keine von uns beiden wirklich gesagt hat, was sie eigentlich sagen wollte.

Ich kann mir nicht denken, dass „Ich solle doch mitdenken.“ wirklich zum Ausdruck gebracht hat, was die Frau loswerden wollte. Sie hat sich geärgert, dass wir ihren Weg gekreuzt haben, dass sie abbremsen musste, dass wir keine Rücksicht auf sie genommen haben. Vielleicht war ihr Fahrrad mit den Einkäufen schwer. Vielleicht war sie müde. Vielleicht macht es ihr Mühe wieder anzufahren. Wer weiß. Auch das sind alles wilde Vermutungen meinerseits.

Und ich war mit „Warum?“ auch nicht gerade auf der eloquenten Seite unterwegs. Weder wollte ich wissen, warum ich mitdenken solle, noch hat diese Frage zur Verbesserung der Situation beigetragen. Ich wollte eigentlich wissen, was genau das Problem ist. Für mich war die Situation nicht so glasklar. Aufgelöst hat es sich nicht, nachdem die Frau sich auf das Schimpfen verlegt hatte, sind wir einfach weiter gegangen.

Wenn ich mir das so anschaue, ist es wirklich ein Wunder, dass wir Menschen uns doch vergleichweise häufig verstehen. Vielleicht fällt es aber oft auch nur nicht auf, dass wir uns nicht verstehen. Diese Situation hat aber eins wieder deutlich gemacht. Man kann nicht davon ausgehen, dass andere Personen die Welt genauso sehen, wie man selbst. Und man kann auch nicht davon ausgehen, dass andere Personen, dasselbe denken und wollen, wie man selbst. Und dass man immer die treffenden Worte findet, für das was man eigentlich will. Es ist einfach nicht so.

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