Ein Horn Kopf

Bei uns lebt seit einigen Wochen ein Einhorn. Oder besser gesagt der Kopf eines Einhorns. Und bisher schwebte dieser Kopf an der Decke. Was jetzt, wo ich es aufschreibe auch schon recht bizarr klingt. Aber das jüngste Kind hat sich sehr gefreut, als ihr jemand den Strick zu diesem Einhornkopf überreichte.

Seit heute schwebt er nicht mehr an der Decke, der Kopf, sondern auf halber Höhe im Zimmer. Kopfüber. Luftballons, die auf halber Höhe im Zimmer schweben, haben etwas beunruhigendes an sich. Ein Luftballon hat auf dem Boden zu liegen, unter der Decke zu schweben oder meinetwegen noch an der Wand zu kleben. Aber ganz sicher nicht auf halber Höhe durchs Zimmer zu schweben.

Ich saß gerade mit dem ältesten Kind in dessen Zimmer als das jüngste Kind mit dem Einhornkopf im Schlepptau hereinspaziert kam. Das älteste Kind verlangte sofort, dass der Einhornkopf das Zimmer verlässt. Und erzählte auch warum. Ein paar Stunden vorher kam der Einhornkopf, kopfüber, auf halber Höhe schwebend, ganz, ganz langsam um die Ecke, direkt auf das älteste Kind zu.

Der anfängliche Schreck ging noch tiefer als feststand, dass nicht eine ihrer Schwestern dahinter steckt, sondern der Einhornkopf, kopfüber, auf halber Höhe schwebend, allein ganz, ganz langsam unterwegs war. Und während sie das erzählt und wir anderen amüsiert dreinschauen, starrt sie auf einmal zur Tür.

Hereinkommt der Einhornkopf, kopfüber, auf halber Höhe schwebend, ganz, ganz langsam, direkt auf uns zu. Ja, es gibt eine logische Erklärung dafür. Und trotzdem ist es unheimlich, wenn ein Einhornkopf, kopfüber, auf halber Höhe schwebend, ganz, ganz langsam auf einen zu kommt. Dagegen hilft auch die schönste logische Erklärung nichts. Logik und Einhörner passen einfach nicht zusammen.

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