Das Stockdale-Paradox

Jim Collins schreibt in seinem Buch „Good to Great“ u.a. über einen us-amerikanischen Marineoffizier, Admiral Jim Stockdale. Von 1965 bis 1973 befand sich Stockdale für knapp acht Jahre in Kriegsgefangenschaft in Vietnam. Im Hanoi Hilton.

Er wurde regelmäßig gefoltert. Vier Jahre in Einzelhaft gehalten. Ohne medizinische Unterstützung. Und hat überlebt. Nicht nur körperlich. Auch psychisch.

Und kümmerte sich nicht nur ums eigene Überleben, sondern organisierte als ranghöchster Marineoffizier verschiedene Systeme, die allen Häftlingen helfen sollten, die physische und psychische Folter so gut wie möglich zu überstehen.

Stockdale berichtete, er habe niemals Zweifel daran gehabt, dass er nicht nur herauskommen, sondern am Ende gewinnen, und diese Erfahrung zu einem Schlüsselereignis wenden würde, die er im Rückblick, nicht eintauschen wolle.

Von Collins dazu befragt, wer es nicht geschafft hätte, antwortete Stockdale: „Oh, das ist einfach. Die Optimisten.“

Das ist eine ziemlich interessante Aussage mit Blick auf den unterschütterlichen Glauben Stockdales in einer auch objektiv ziemlich aussichtslosen Lage.

Stockdale erklärte Collins dazu, dass die Optimisten glaubten, sie würden Weihnachten draußen sein. Und Weihnachten kam und ging. Dann glaubten sie, sie wären Ostern frei. Und auch dieses Datum kam und ging. Und so vergingen die Jahre. Und die Optimisten starben an gebrochenem Herzen.

Er sagte weiter: „Das ist eine sehr wichtige Lektion. Man darf niemals den Glauben daran, dass man am Ende gewinnen wird – und man kann es sich nicht leisten, diesen je zu verlieren – mit der Disziplin, die brutalsten Fakten der gegenwärtigen Situation, egal wie sie aussehen, zu akzeptieren, verwechseln.“

Es braucht beides. Einen unerschütterlichen Glauben daran, sein Ziel zu erreichen. Und gleichzeitig die Disziplin, sich den Tatsachen der gegenwärtigen Situation zu stellen, egal wie sie aussehen, und diese als gegeben zu akzeptieren.

Für diese Einstellung hat Jim Collins den Begriff „Stockdale Paradox“ geprägt.

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