Ausredenmanöver

Vor ein paar Tagen habe ich meinen Skizzenblock verlegt. Und zwar so gründlich, dass ich nicht die leiseste Ahnung habe, wo ich suchen soll. Das ist nicht weiter tragisch, den Block hatte ich erst kurz vor seinem Verschwinden zufällig im Keller gefunden. Wie gewonnen, so zerronnen. Allerdings und das ist das eigentlich erstaunliche an dieser Sache, habe ich das Verschwinden sofort zum Anlass genommen, mir eine Ausrede zurechtzuzimmern.

Seit dem Verschwinden habe ich das Gefühl, dass ich nur auf diesem Block herumkritzeln kann und ihn unbedingt wiederfinden muss, sonst kann ich nichts mehr zeichnen. Was aus jedem Blickwinkel betrachtet vollkommener Unsinn ist. Die meisten Kritzeleien auf diesem Blog sind auf irgendwelchen Papierstücken entstanden, die gerade herumlagen und nichts besseres zu tun hatten – sowohl vor dem Auftauchen des Skizzenblocks wie auch nach dessen Verschwinden.

Nur jetzt scheint es mühsamer – ohne diesen Block. Das Papier, dass ich zur Verfügung habe, ist nicht richtig. Es ist zu grau, zu weiß, zu zerknittert, zu glatt oder zu sonst etwas. Mir fällt deswegen auch mehr nichts ein. Der Stift kratzt oder er kratzt nicht genug. … Bla, bla, bla, bla. Damit ärgere ich mich nun immer erstmal herum, wenn ich einen Stift in die Hand nehmen. Und dabei geht es hier nicht mal um irgendetwas.

Wer weiß, wieviel Energie ich erst aufwende, um Ausreden zu fabrizieren, wenn es tatsächlich um etwas geht. Und wieviel Energie ich aufwenden muss, um die Hindernisse wieder aus dem Weg zu räumen, die ich selbst hingestellt habe. Vorausgesetzt ich bekomme überhaupt mit, dass Hindernisse im Wege stehen und welcher Natur sie sind. Ich kann da durchaus ein Muster erkennen. Mehr als mir lieb ist. Und ich kann mich nur wundern.

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