Auf meiner Küchenbank

Hier habe ich über Eva Elands „Gebrauchsanweisung gegen Traurigkeit“ geschrieben. Ein kleines, kluges Buch für Menschen jeden Alters. In dem Buch geht es darum, wie man mit der Traurigkeit umgeht. Man bitte sie herein, behandelt sie freundlich, fragt, was sie braucht und gibt ihr das Gefühl willkommen zu sein. Und so wird die Traurigkeit kleiner. Und kann wieder gehen.

Und das ist ein sehr entscheidender Punkt. Die Traurigkeit geht nicht, weil man sie ignoriert, wegstößt oder überspielt. Sie geht auch nicht, weil man ihr sagt, sie soll weggehen und das man sie loslassen will. Sie geht wieder, weil man sie eingeladen hat, einfach da zu sein und fragt, was sie braucht. Sie geht wieder, weil sie weiß, dass es in Ordnung ist vorbei zukommen. Dass sie willkommen ist.

Ignoriere ich die Traurigkeit, wird sie nur größer. Schubse ich sie weg, klammert sie sich nur noch mehr an mich. Gedanken einfach loszulassen, hat für mich noch nie funktioniert. Und einfach ist das auch nicht. Je mehr Energie ich aber aufwende, um die Traurigkeit von mir fernzuhalten, umso mehr Energie wendet die Traurigkeit auf bei mir zu bleiben. Das scheint für jedes eher negativ besetztes Gefühl, für jeden belastenden Gedanken zu gelten.

Und so lade ich nun die Traurigkeit, wann immer sie anklopft, ein, sich zu mir auf die Küchenbank zu setzen. Und nicht nur die Traurigkeit, auch jedes andere Gefühl, das auftaucht, jeder Gedanke, der an mir nagt und den ich eigentlich nicht haben will, darf nun mit auf der Bank sitzen. Und wir sitzen dann einfach ein wenig nebeneinander, baumeln mit den Beinen und ich frage, was sie brauchen.

Und wir atmen zusammen tief ein und aus, wundern uns manchmal, dass wir uns (schon wieder) begegnet sind und baumeln mit den Beinen. Für mich funktioniert das gut. Oder besser für uns. Je mehr ich die Gedanken und Gefühle willkommen heiße, desto weniger groß und überwältigend werden sie. Desto weniger klammern sie sich an mich und haken sich an mir fest. Desto weniger ringen wir miteinander. Desto einfacher können sie gehen.

Es ist ganz erstaunlich, was so ein wenig Anerkennung und Wertschätzung gegenüber den eigenen Gefühlen und Gedanken ausrichten kann. Und natürlich das „Mit-den-Beinen-baumeln“.

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